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Interview mit Harald Stoiber

 

27. November 2025
Sarah Blümel

Lieber Harald,

du hast den ersten Platz beim Ideenwettbewerb Ernte.Reif gewonnen und dazu gratulieren dir wir nochmals sehr herzlich. Vielen Dank, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview nimmst. 

Damit unsere Leser:innen gleich wissen, was du machst und was deine Idee ist: Erzähl uns doch kurz davon.

Ich baue seit einigen Jahren Hopfen im kleinen Stil an. Dieses Jahr wollte ich herausfinden, ob unser Hopfen qualitativ für regionale Brauereien geeignet ist. Mit meiner kleinen Ernte bin ich zu Bierol gefahren – und weil die Qualität überzeugt hat, wurde daraus direkt das erste Bier gebraut.

Obwohl die Bierkultur in unserer Region sehr stark ist, gibt es in Tirol derzeit kaum Hopfenanbau. Mit der Homebase St. Johann und Bierol haben wir zwei starke Partner gefunden, die das Projekt mit uns verwirklichen.

Mit deiner Idee der des WET-HOP für die Tiroler Braukultur gehst du neue Wege. Wie kannst du uns die Innovation dabei beschreiben?

Beim WET-HOP-Verfahren wird der Hopfen direkt am Tag der Ernte verarbeitet – mit maximaler Frische und dem vollen Aroma. Dadurch entstehen einzigartige, intensive Geschmacksnoten, die mit getrocknetem Hopfen nicht erreichbar sind. Außerdem entfallen energieintensive Trocknungsschritte, Plastikverpackungen, Lagerkapazitäten und lange Transportwege. Das Verfahren ist also nicht nur geschmacklich spannend, sondern auch ökologisch sinnvoll. 

Dein Hof gilt als Modellhof für die Landwirtschaft und du probierst mit deinem Team und Partnern viel aus, dass auch einige Nachahmer findet und motiviert. Bitte erzähle uns davon.

Wir haben den ersten Naturschutzhof Österreichs gegründet – einen landwirtschaftlichen Betrieb, dessen zentrales Ziel die Förderung von Biodiversität ist. Unser „Produkt“ ist die Artenvielfalt. Dafür setzen wir stark auf Diversifizierung: Wir veredeln mittlerweile auch Produkte aus den neu geschaffenen Strukturen wie der Streuobstwiese, dem naturnahen Garten oder der Wildhecke. Der Hopfen passt perfekt dazu – er ist eine wertvolle Raupenfutterpflanze und besitzt einen hohen ökologischen Wert. Zusätzlich werden mit einem Teil des Gewinns von „Flügelschluck“ Trittsteinbiotope für Grünlandschmetterlinge im alpinen Raum geschaffen. Der Schutz von Grünlandschmetterlingen ist ein zentrales Ziel der europäischen Renaturierungsverordnung. Als Landwirte tragen wir dafür Verantwortung.

Was möchtest du unseren Leser:innen zum Abschluss noch mit auf den Weg geben?

Nutzt die Ressourcen in eurer Region. Viele kochen gerne ihre eigene Suppe. Gemeinsam Projekte umzusetzen, macht nicht nur mehr Spaß, sondern bündelt auch wertvolle Ressourcen.