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Interview mit Judith Erler

18. August 2026
Thomas Penz

Liebe Judith,

vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst.

Du bist eine der Autor:innen des 2. Tiroler Ernährungsberichts "So isst Tirol", was ist eigentlich das Ziel dieses Berichts und an wen richtet der sich in erster Linie?

Ziel des Berichts ist es, darzustellen, was in der Tiroler Bevölkerung am Teller liegt. Wissenschaftlich liegt der Auftrag im Ernährungsmonitoring, das regelmäßig stattfinden soll. In erster Linie geht es darum, Informationen für die Politik und Gesundheitslandschaft bereitzustellen. Natürlich bekommt auch die Bevölkerung ein Bild, wie die Ernährungsweise von Personen in den Bezirken Innsbruck und Innsbruck-Land momentan im Vergleich zu den Empfehlungen aussieht. Wenn jemand aus dem Bezirk Reutte oder Osttirol sagt: Bei uns ist das ganz anders!, dann kann das durchaus sein – vielleicht sehen wir uns bei der 3. Tiroler Ernährungserhebung!

Was sind für dich die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht, die auch an unser Thema der Lebensmittelinnovationen anknüpfen?

Wir sehen mehr Gesundheitsbewusstsein bei den Personen, die an der Tiroler Ernährungserhebung teilgenommen haben und doch sind die pflanzlichen Lebensmittel noch in deutlich zu geringem Ausmaß am Teller und es werden zu viele Lebensmittel mit einem hohen Fett-, Zucker- und/oder Salzgehalt verzehrt. Um das zu ändern, sind alle gefragt: Es braucht einen Bezug zu regionalen und saisonalen pflanzlichen Lebensmitteln – ganz klassisch: die Fisser Gerste, das Nordtiroler Gemüse und die Osttiroler Kartoffel – und vielfältige Kanäle, daraus schmackhafte Rezepte für zuhause und die Außer-Haus-Verpflegung zu gestalten. Besonders in der jungen Bevölkerung haben Selbstoptimierung und Körperbild einen hohen Stellenwert. Hier die Vorteile von heimischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln zu zeigen, sollte im Vordergrund stehen - mit ganz viel Spaß am Ausprobieren neuer Verwendungen. 

Isst Tirol besonders? Gibt es für Tirol spezifische Erkenntnisse?

Im Vergleich mit Ostösterreich haben wir bereits in der 1. Tiroler Ernährungserhebung gesehen, dass sich die Körperzusammensetzung unterscheidet: Obwohl der Body Mass Index (BMI), das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße, recht ähnlich war, zeigten die genaueren Analysen, dass unsere Studienpopulation in Tirol mehr Muskelmasse und weniger Körperfett hatte. Da der Österreichische Ernährungsbericht noch nicht veröffentlicht ist, können wir diesen direkten Vergleich noch nicht aktualisiert darstellen – vermutlich wird es aber wieder ein Ost-West-Gefälle beim Körperfett geben. Eine Erklärung könnte sein, dass die noch nicht optimale Lebensmittelauswahl mit sportlicher Aktivität kompensiert wird. Für die Gesundheit über die Körperzusammensetzung hinaus, da denke ich beispielsweise an den Darm oder das Herz-Kreislauf-System, ist allerdings auch eine Anpassung der Ernährungsweise notwendig.

 

Zum Abschluss: Was möchtest du als Diätologin den Leser:innen noch mit auf den Weg geben?

Gutes Essen ist ein Genuss und verdient mehr Aufmerksamkeit. Mit der Nahrungsaufnahme versorgen wir uns mit lebensnotwendigen Nährstoffen, aber es geht um viel mehr: Essen kann eine Pause im Arbeitsalltag sein, ein gemeinsamer Austausch am Tisch, eine Aktivierung der Geruchs- und Geschmackssinne. Speisen mit frischen, regionalen Zutaten haben einen großen Mehrwert für die Gesundheit, das zeigen uns mittlerweile viele Studien zu hochverarbeiteten Lebensmitteln. Wer sich nicht sicher ist, wie eine Mahlzeit ausreichend Nährstoffe liefert, findet mit dem Tellermodell eine gute Vorlage. Und bei Fragen oder besonderen Ernährungsbedürfnissen ist der Kontakt zu einer Diätologin oder einem Diätologen in der Nähe sehr empfehlenswert, um den Essalltag in jeder Lebenslage bestmöglich zu gestalten.